BAD URACH-HENGEN. Was lange währt, wird endlich gut. Zumindest stehen die Zeichen bestens, dass Hengen jetzt endlich ein Dorfgemeinschaftshaus bekommt. Der Kran steht schon, in der vergangenen Woche wurde auch schon das Klohäuschen vor dem Schulhaus abgebrochen - am Montagabend schließlich startete der Umbau mit wuchtigen Hammerschlägen und viel Staub. Auf eine Wand im Erdgeschoss droschen ein: Bürgermeister Elmar Rebmann, Ortsvorsteher Gerhard Stooß, Architekt Markus Haug und der Leiter des Uracher Gebäudemanagements, Thomas Jaschinski.
Ortsvorsteher Gerhard Stooß hat lange auf diesen Tag gewartet. Jetzt kann er's kaum erwarten, mit dem Uracher Schultes in anderthalb Jahren das Hengener Heimatlied anzustimmen, wenn alles fertig ist. Das hat ihm Elmar Rebmann versprochen. Ganz bei Null ging's an diesem für Hengen denkwürdigen Montagabend nicht los: Schon in den vergangenen Wochen und Monaten hatten Ehrenamtliche angefangen, das Haus auszubeinen. »Mit meinem heimlichen Bauleiter Bernd Mayer«, wie Ortsvorsteher Stooß hervorhob. Mayer ist als Techniker vom Fach und darüber hinaus stellvertretender Ortsvorsteher und stellvertretender Vorsitzender bei den Freien Wählern im Uracher Gemeinderat. Plusminus 320 Stunden haben die Bürger - ein Stamm von 25 - in der Alten Schule geschafft, »damit jetzt die professionellen Bauleute anfangen können«, wie Stooß sagte.
»Ich hab mir's lang nicht mehr vorstellen können, dass man mit diesem schönen Gebäude noch was macht«, sagte Stooß, der im Alten Schulhaus selber die Schulbank gedrückt hat. Der Ortsvorsteher freut sich, dass der alte Charakter des Schulhauses erhalten bleibt. Alter Charakter mit modernem Inhalt: Ins Erdgeschoss des neuen Dorfgemeinschaftshauses kommt die Hengener Verwaltungsstelle mit einem Sitzungsraum für den Ortschaftsrat beziehungsweise für Vereine. Platz findet hier auch die zentralen WC-Anlagen für den Saal im Obergeschoss. Der hat maximal 182 Sitzplätze bei einer Reihenbestuhlung. »Wir kriegen einen Treffpunkt für Alte und Junge«, freut sich der Ortsvorsteher.
»Wir kriegen einen Treffpunkt für Alte und Junge«
Weil das Gebäude in einem »massiven Sanierungsrückstand« ist, wie Gebäudemanager Thomas Jaschinski im Gemeinderat gesagt hat, wird es in den nächsten Monaten auf einen Rohbauzustand zurückgebaut. Die neue 70-kW-Pelletheizung macht nicht nur im DGH warm, sondern auch noch im danebenliegenden Kindergarten »Forsthaus«. Aufs Dach kommt eine Photovoltaikanlage. Ein modernes Gebäude will gut isoliert sein. Dazu sagt Architekt Markus Haug: »Wir wollen den Tuffsteinbau halten, deshalb wird das Gebäude von innen gedämmt.«
Nicht nur das Innenleben wird neu, sondern der ganze Dachstuhl: Weil es bei den Fußbodenhöhen des Obergeschosses zwischen dem vorderen und dem hinteren Gebäudeteil einen Höhenunterschied von rund einem halben Meter gibt, wird der Dachstuhl und die Hälfte des Obergeschosses komplett abgerissen und neu aufgebaut. Um das Haus als Ganzes barrierefrei zu machen, erhält es außen ein neues gläsernes Treppenhaus mit Aufzug.
»Wir wollen zeigen, dass es eine moderne Zukunft in Hengen gibt«
Bürgermeister Elmar Rebmann bringt die 3,8-Millionen-Euro-Baustelle - 750.000 Euro kommen aus dem Entwicklung-Ländlicher-Raum (ELR)-Förderprogramm - in Zusammenhang mit allen Uracher Ortsteilen: Wer eher klein feiern will, kann das Seeburger Dorfgemeinschaftshaus mieten, mittelgroß geht's im künftigen Hengener DGH. Wem das immer noch zu klein ist, der kann in die zweieinhalb Kilometer entfernte Wittlinger Turn- und Festhalle ausweichen. Und dann wäre da noch die üppige Mehrzweckhalle auf der anderen Ermstal-Seite in Sirchingen. Rebmann für den Gemeinderat: »Wir wollen zeigen, dass es eine moderne Zukunft in Hengen gibt.« (GEA)
Altes Schulhaus Hengen
Das Schulhaus Hengen wurde 1881 erbaut, wie man auf dem Türsturz am Haupteingang jetzt noch lesen kann. Bis 1968 wurden hier die Klassen 1 bis 8 unterrichtet, danach nur noch die Klassen 1 und 2 von Hengen und Wittlingen. Seit 1980 ruht der Schulbetrieb, und das Gebäude wurde von Vereinen genutzt. Bis 1921 hielt in den oberen Räumen der Arzt Dr. Karl Gussmann aus Grabenstetten montagabends und donnerstagmittags Sprechstunden. (GEA)



