EVENTS

Logo
Aktuell Politik

Demokratiefest in Münsingen

Landtagspräsidentin Muhterem Aras sieht die Errungenschaften der Republik bedroht. Organisationen präsentieren sich

Bürgermeister Mike Münzing und Muhterem Aras auf dem Podium.  FOTO: WURSTER
Bürgermeister Mike Münzing und Muhterem Aras auf dem Podium. FOTO: WURSTER
Bürgermeister Mike Münzing und Muhterem Aras auf dem Podium. FOTO: WURSTER

MÜNSINGEN. Dass Demokratie nicht allein der Politik überlassen werden darf, wurde vorm Rathaus deutlich.

- Eröffnung durch Mike Münzing

Bürgermeister Mike Münzing hat das zweitägige Fest am Samstag offiziell eröffnet. Demokratie sei ein Geschenk, kann man meinen, für Demokratie muss man vor allem aber einstehen, mit »aufrechtem Rückgrat«, so der Bürgermeister. Er konnte unter anderem die Europaabgeordneten Norbert Lins und Liudas Mažylis begrüßen. Der litauische Historiker ist Münsingen auf besondere Weise verbunden. Er hat die Originalurkunde der litauischen Unabhängigkeitserklärung von Russland aus dem Jahr 1918 wiederentdeckt, Matthias Erzberger hatte sie gegen den Willen der Obrigkeit in Deutschland veröffentlicht. Erzberger stehe als Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie in Münsingen nicht auf einem Sockel, er sitzt auf einem Bänkle. Die Demokratie wirke in Deutschland und besonders auch in Münsingen, irgendwelche Alternativen brauche es nicht, bei 220 Vereinen, 14 Schulen, 23 Kindergärten und 2,2 Prozent Arbeitslosigkeit. Verantwortung übernehmen – Verantwortungsteilung statt Ge-waltenteilung – statt Ängste herbeizurufen, dazu rief Münzing auf.

- Christopher Dowe

Dowe erinnerte an Erzberger, den Politiker aus Buttenhausen, der sich vom Kriegsbefürworter anfangs des Ersten Weltkriegs zum Friedensvermittler ge-wandelt hat. Erzberger unterzeichnete für die Reichsregierung im Wald von Compiègne das Waffenstillstandsabkommen, die Uniformträger waren dazu zu feige. Dafür wurde er letztlich 1921 von Rechtsterroristen ermordet. Das Erinnern an Erzberger, den »Anwalt der kleinen Leute« hat Dowe unter anderem in Erzbergers Geburtshaus, heute Gedenkstätte, in Buttenhausen mitbegleitet.

- Muhterem Aras

Die Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg fühlte sich auf dem Matthias-Erzberger-Platz wohl: »Wir sind im selben Club«, hat sie bei der Besichtigung der vielen Info-Stände, an denen sich die Blaulicht-Organisationen und andere vorstellten, gespürt. Erzberger sei ein Name für die Demokratie, es sei ein besonderes Gefühl, »auf dem Matthias-Erzberg-Platz zu stehen«. Allein die Demokratie kann die Rettung des deutschen Volkes verbürgen, hat Erzberger einst gesagt. Deshalb trat Aras in Münsingen für eine wehrhafte Demokratie ein. Möchtegern-Autokraten, die mit demokratischen Mitteln die Demokratie beseitigen wollten, müsse entgegen getreten werden. Auch in den Parlamenten, in denen Gesetzeslücken geschlossen werden können: »Im Parlament steht nirgends, dass Demokratiefeindlichkeit im Parlament vertreten sein soll.« Sie brach eine Lanze für unabhängigen Qualitätsjournalismus. Mahnte aber vor allem: »Wir müssen uns alle wehren«, gegen künstlich geschürte Ängste, die Verlockung einfacher Lösungen, die »Lüge vom Staatsversagen«, auch wenn es manchmal arg langsam vorwärts gehen würde in der Demokratie.

- Auf dem Matthias-Erzberger-Platz

Demokratie geht alle an, daran haben alle Redner erinnert. Und beginnt bei den engagierten Demokraten vor Ort. Vorm Rathaus waren der Reutlinger General-Anzeiger mit seinem GEA-Mobil vertreten, die Landeszentrale für politische Bildung, Polizei und Bundeswehr. Vor allem aber die lokalen Akteure. Die Münsinger Schulen haben sich ihre Gedanken zu Demokratie und Republik gemacht, die Gemeinde- und Ortschaftsräte erklärten auf einer Video-Wand ihre Aufgaben und ihre Beweggründe. Das Landratsamt fragte selbstkritisch: »Demokratie und Landratsamt – passt das zusammen?«. »Die oine saget so, die andere so«, lautete ein Kommentar. (wu)

 

MEHR BILDER ONLINE

Eine Bildergalerie mit weiteren Eindrücken gibt’s online unter www.gea.de/bilder