BAD URACH. Die Bogenbrücke im Kurpark gegenüber vom Thermalbad ist marode. Sie hat statische Mängel im Bereich der Auflagerpunkte. Keine Zukunft. Durch eine Sanierung allein ließen sich die statischen Probleme nicht beheben. Es bräuchte eine Stützkonstruktion, um die Brücke so weit verkehrssicher herzustellen. »Schön ist was anderes«, sagt Bürgermeister Elmar Rebmann zu dieser Vorstellung. Das heißt, dass es bei einem Provisorium bleiben würde - an der grundlegenden Problematik würde sich nichts ändern. Was dazukommt: Die Brücke wäre nach wie vor nicht barrierefrei.
Die Verwaltung hat von dem renommierten Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner (sbp) aus Stuttgart eine Machbarkeitsstudie zu einer neuen Brücke erstellen lassen. Herausgekommen sind zwei Varianten, die jetzt im Gartenschauausschuss diskutiert wurden. Die Ingenieure haben eine geschwungene Variante entworfen und eine gerade. Kostenpunkt für die einfache, gerade Variante: rund 700.000 Euro. Die geschwungene ist rund hunderttausend Euro teurer, weil ihre Konstruktion aufwendiger ist. Kleiner Trost: Die Stadt Bad Urach hat die Nachfolger-Brücke aber für ein Förderprogramm angemeldet und bekommt 60 Prozent der Mehrkosten erstattet.
»Die geschwungene Brücke fügt sich wesentlich besser in den neuen Kurpark«
Im Gartenschau-Ausschuss war schnell klar, in welche Richtung die Reise geht: zur teureren, aber schickeren Variante. Weil sie durch den Bogen länger ist als die Bogenbrücke, wird sie barrierefrei. Die vorhandene hat an manchen Stellen mehr als sechs Prozent Steigung, wodurch sie für viele unpassierbar wird. Ein weiterer Vorteil: Der Neuling führt nicht direkt auf die Sichtschutzwand der Alb-Thermen - dahinter der Sauna-Bereich -, sondern in einem eleganten Bogen daran vorbei.
»Die geschwungene Brücke fügt sich wesentlich besser in den neuen Kurpark ein«, sagt Bürgermeister Elmar Rebmann. Und sie passt von der Formensprache gut zu der Brücke, die bis zur Gartenschau den Ortseingang der Kurstadt zieren wird. Die Fuß- und Radwegbrücke über der B 28 haben ebenfalls Schlaich, Bergermann und Partner entworfen. Die Stuttgarter hatten damals den Architektenwettbewerb gewonnen.
»Manchmal macht es aber Sinn, für die Ästhetik mehr auszugeben«
Die Mitglieder im Gartenschau-Ausschuss stehen einmütig hinter dem Entwurf. Nicht nur »pfiffig« und optisch ansprechend findet ihn Gesine Kerschbaumer (Grüne), sie hebt auch die neu gewonnene Barrierefreiheit hervor. Axel Walcher (CDU), der in Sachen Gartenschau und Kurpark zur Spar-Fraktion gehört, sagt: »Wir haben uns jetzt schon für den Ferrari entschieden, da würde es keinen Sinn machen, Stahlfelgen aufzuziehen.« Sein Fraktionskollege Dr. Stefan Wolf sprich ein weiteres Mal von seiner Zeit als CEO bei ElringKlinger: Er habe immer zwischen Kosten und Ästhetik abgewogen und dabei immer auf Sparsamkeit geachtet. »Manchmal macht es aber Sinn, für die Ästhetik mehr auszugeben.«

CDU-Fraktions-Chef Michael Schweizer sitzt nicht im Gartenschau-Ausschuss, gibt aber trotzdem ein Statement zur Entscheidung für die noble Brücken-Variante ab: Natürlich sei die geschwungene Variante schöner und ansprechender. »Aber wir müssen jetzt schon die Kröte schlucken, die Bogenbrücke sanieren zu müssen«, so Schweizer. »Auch wenn wir von den Mehrkosten nur 40.000 Euro selber zahlen müssen, ist das kein Grund, uns eine so teure Brücke zu leisten.« Schweizer blickt jetzt schon auf die Haushalts-Diskussion im neuen Jahr, »wo man sich wieder um jeden Euro streitet«. Er könne die Entscheidung für die teurere Variante deshalb nicht nachvollziehen.
Stichwort Kosten: Die 800.000 Euro sind reine Baukosten, sagt Bürgermeister Elmar Rebmann auf die Nachfrage von Susanne Ulrich-Wanner (SPD/AB). Rechnet man den Abbruch der alten Brücke, das Gutachten und die Ingenieurs-Honorare dazu, kommt die Stadt bei rund 1,2 Millionen Euro raus. (GEA)




