WANNWEIL. Beim Musikverein Wannweil ist einiges anders als bei anderen Musikvereinen. Im Gegensatz zu ganz vielen anderen klagt er nicht über Nachwuchssorgen - im Gegenteil: Der 1908 gegründete Verein wächst und wächst und kann mit schöner Regelmäßigkeit Highlights vorweisen. Das nächste könnte am Samstag, 13. Dezember, sein. Da lädt der Musikverein zum Weihnachtskonzert in die Uhlandhalle ein. Es spielen unter der Leitung von Martin Rein das Vorstufen-, das Jugend- und das Stammorchester - mit Freunden. Der Zusatz ist ein Novum: Erstmals spielt ein Projektorchester. »Wir haben das Konzept unseres großen Konzerts überarbeiten müssen und möchten anderen Musikern die Gelegenheit bieten, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen«, hatte Martin Rein, der Dirigent und Vorsitzende des Musikvereins im Vorfeld gesagt.
Die Idee hat gezündet: 16 Musikerinnen und Musiker haben sich gemeldet, um wenigstens ein Mal mit diesem ganz besonderen Verein aufzutreten, ohne sich gleich fest zu binden. Nicht nur aus der Nachbarschaft von Wannweil: »Wir haben eine große Spannweite zwischen Unterhausen und Nellingsheim«, sagt Sonja Balcerek, die Presse- und Social-Media-Arbeit im Musikverein macht. Nellingsheim, der Ortsteil von Neustetten hinter Rottenburg ist rund 30 Kilometer von Wannweil entfernt. Unterhausen liegt zwar auch im Echaztal, ist aber - zeitlich gesehen - fast so weit weg. Mit den 16 »Neuen« treten am Samstagabend gut Hundert Musikerinnen und Musiker in der Uhlandhalle auf.
Die Nachwuchsarbeit trägt Früchte
Es läuft so gut in Wannweil, weil sich der Musikverein so intensiv um den Nachwuchs kümmert. Er kann schon seit einiger Zeit die Früchte der herausragenden Jugendarbeit ernten. Alles fängt mit den »Flöties« an. Die bis zu 30 Köpfe starke Gruppe mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren ist so etwas wie die Vorschule des Musikvereins. »Die Blockflöte ist ein ideales Instrument zum Einsteigen«, sagt Renee Goudswaard, die lange an der Spitze der Kinder-Gruppe stand und inzwischen die vereinseigene Musikschule leitet.
»Man lernt relativ schnell, Melodien zu spielen«, sagt sie, »Ziel ist es, den Kindern Spaß an der Musik zu vermitteln und sie an den Verein ranzubringen.« Sie spielen am Anfang der Konzerte und verliehen ihnen einen ganz eigenen Charme. Die Kinder haben ihre ersten Auftritt und sehen, was sie erreichen können. Ein bis zwei Monate vor jedem Konzert wird jedes Mal aufs Neue ein Vorstufenorchester gebildet. So viele Schüler wie möglich sollen die Möglichkeit haben, Orchesterluft zu schnuppern. Für den Nachwuchs sucht Dirigent Martin Rein ganz leichte Literatur aus.
Viele beißen an und spielen bei der nächsten Gelegenheit schon im Jugendorchester Wannweil (JoWa) mit. Hier kümmern sich fünf Jugendsprecher - vergleichbar mit schulischen Klassensprechern - um die Organisation von Ausflügen, Filmabenden oder Ähnlichem. »Ins JoWa gehören die Musikschülerinnen und Musikschüler, für die 8tel-Bewegungen und klingend B-Dur machbar sind«, schreibt Sonja Balcerek im aktuellen Musikerblättle. Beim 2025er-Weihnachtskonzert ist alles ein bisschen anders - auch für die Flöties: Für die Kleinsten gibt's im April ein Extra-Konzert. Sie beim Weihnachtskonzert mit 16 neuen Freunden auch noch reinzupacken, wäre zu viel.
Geprobt wird im Musikerheim im Alten Schulhaus in der Eisenbahnstraße 5. Martin Rein dirigiert äußerst präzise und hört: alles. Kein schiefer Ton, der seinem geübten Ohr entgehen würde, keine dynamische Unter- oder Übertreibung, die er nicht ansprechen würde. Höflich, aber direkt und klar. Die Musiker schauen zu ihm auf, hören ihm genau zu und setzen das Gesagte um. Gute Vorzeichen fürs Weihnachtskonzert 2025. Vor einem Jahr sagte er bei dieser Gelegenheit: »Es ist mir eine Ehre und Freude, heute Abend Euer Dirigent sein zu dürfen.« (GEA)
Weihnachtskonzert des Musikvereins Wannweil
Das Konzert am Samstag,13. Dezember, in der Uhlandhalle beginnt um 19 Uhr. Weil die Veranstaltung bewirtet ist, ist der Einlass schon um 18 Uhr. Zunächst spielt das Vorstufenorchester, dann das Jugendorchester - beide unter der Leitung von Martin Rein. Der Vereinsvorsitzende dirigiert auch das Projektorchester, das nach der Pause spielt.
Durch den Abend führt Julia Hilmers. Sängerin ist Anna Botthof, die an der vereinseigenen Musikschule Blockflöte und Gesang unterrichtet. Für Licht und Ton sorgt die »Sound and Light AG« des Evangelischen Blaulach-Gymnasiums Kusterdingen. »Bei den rockigen Stücken wird es viel Licht und Nebel geben«, verspricht Sonja Balcerek, die für Presse- und Social-Media-Angelegenheiten im Verein verantwortlich ist. (and)




