MÖSSINGEN. Die Erleichterung war Oberbürgermeister Michael Bulander anzumerken. »Einstimmig. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Das werden wir auch beim Bund deutlich machen«, kommentierte er den Beschluss des Gemeinderats, dass sich Mössingen jetzt erneut um Zuschüsse vom Bund für den Bau einer neuen Sporthalle bewerben soll. Dabei galt die Zustimmung nicht einmal dem ursprünglichen Vorschlag der Verwaltung. In einem Änderungsantrag, dem nicht nur der Gemeinderat, sondern auch der OB zustimmte, wollte die SPD nicht nur die Planungstiefe auf die Entwurfsplanung reduzieren und somit zunächst einmal 200.000 Euro weniger ausgeben, sondern auch die Gesamtkosten des Projekts auf 16 Millionen Euro gedeckelt haben.
Dass Mössingen hofft, beim Bund - genauer: im Haushaltsausschuss des Bundestags - mit der Einstimmigkeit punkten zu können, hat mehrere Gründe. Zum einen hat der Kreis Tübingen keinen Bundestagsabgeordneten mehr, der sich dort für Mössingen starkmachen könnte. Zum anderen »wird das Programm sehr stark überzeichnet sein«, vermutet die für die Finanzen zuständige Fachbereichsleiterin Heidrun Bernhard. Mit einer Milliarde Euro, verteilt auf drei Jahre, unterstützt der Bund die Kommunen bei der Sanierung oder beim Bau von Sportstätten. Der Gesamtbedarf in Deutschland wird aber auf 20 Milliarden Euro geschätzt.
Neubau ist kaum aufschiebbar
»Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein«, findet Michael Bulander. Trotzdem hofft Mössingen, ein Tröpfchen abzubekommen, wenn der Tropfen auf dem Stein verdampft. Schließlich, sagt Heidrun Bernhard, »ist die neue Sporthalle für uns eine Herzensangelegenheit«. Seit dem Sportstättendialog 2022 ist klar, dass die vorhandenen Hallen für den Schul- und Vereinssport nicht mehr ausreichen. Die Tage der Jahnhalle 1 sind gezählt, und auch bei der mittlerweile 45 Jahre alten Steinlachhalle stehen in absehbarer Zeit größere Sanierungsmaßnahmen an. Für den OB ist deshalb klar: »Wir müssen das jetzt angehen.«
Das neue Programm des Bundes bietet nun die Chance, relativ hohe Zuschüsse zu erhalten. Vorgesehen sind 45 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben, bei einer Haushaltsnotlage sogar 75 Prozent. Planerisch hat Mössingen die Phase 2 abgeschlossen mit einer Kostenschätzung von 16,25 Millionen Euro. Nachdem die Stadt zweimal mit Zuschussanträgen gescheitert ist, rechnet sich Heidrun Bernhard jetzt gute Chancen aus: »Die Sporthalle muss eine besondere Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration haben und sie muss eine regionale und überregionale Bedeutung haben. Beide Kriterien erfüllen wir gut.«
Ein Schritt weniger
Die Verwaltung hat deshalb vorgeschlagen, die Planung bis zur Phase 4, der Baugenehmigung, weiterzutreiben. Dafür wollte sie im Haushalt 800.000 Euro bereitstellen. Nicht nötig aus Sicht der SPD. »Wir wollen, dass wir weiterkommen. Der Bedarf ist unstrittig«, erklärte Arno Valin. »Wir wollen aber nur die Entwurfsplanung mal fertigmachen. Wenn wir dann über die Höhe der Förderung Bescheid wissen, kann der Gemeinderat über weitere Schritte entscheiden.« Damit könnten die Planungskosten für 2026 auf 600.000 Euro reduziert werden. Angesichts der aktuellen Haushaltslage sei zudem eine Deckelung der Kosten auf 16 Millionen Euro zuzüglich zwei Prozent jährlich für Preissteigerungen unerlässlich. Eine neue Halle sei enorm wichtig für die Bedeutung Mössingens als Wohnort, bekräftigte sein Fraktionskollege Dr. Frank Loose: »Wenn das jetzt nicht klappt, verzögert sich alles.«
Mit ihrem Antrag fand die SPD die volle Zustimmung der anderen Fraktionen. »Wir müssen aber mal unsere geplanten Baumaßnahmen priorisieren«, forderte Dr. Marc Eisold (FWV): »Mit der Bästenhardtschule, der Jugendmusikschule und den Feuerwehrhäusern kommen Kosten auf uns zu, die wir noch nicht benennen können. Und auch die Folgekosten spielen eine Rolle, denn dafür gibt es keine Zuschüsse.« Das sah Heidrun Bernhard etwas anders: »Natürlich muss man die Lebenszykluskosten betrachten. Wir haben die Priorisierung aber schon im Haushalt und in der mittelfristigen Finanzplanung. Klar ist: Bei der Bästenhardtschule und der Sporthalle haben wir keinen Spielraum.« (GEA)


