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Mössinger Räte einstimmig für Sperrung der Straße nach Beuren

Der Mössinger Gemeinderat teilt die Einschätzung der Verwaltung: Eine Sanierung ist mit vertretbarem Aufwand nicht möglich.

Bis hierher und nicht weiter: Die Gemeindeverbindungsstraße von Belsen nach Beuren soll für den öffentlichen Verkehr dauerhaft g
Bis hierher und nicht weiter: Die Gemeindeverbindungsstraße von Belsen nach Beuren soll für den öffentlichen Verkehr dauerhaft gesperrt werden. Foto: Philipp Förder
Bis hierher und nicht weiter: Die Gemeindeverbindungsstraße von Belsen nach Beuren soll für den öffentlichen Verkehr dauerhaft gesperrt werden.
Foto: Philipp Förder

MÖSSINGEN. Fast schon entschuldigend wandte sich Oberbürgermeister Michael Bulander nach der Abstimmung in Richtung Zuhörerempore: »Es tut uns leid, aber es geht nicht anders.« Dort hatte eine kleine Abordnung aus Beuren gerade eben zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Wunsch des Hechinger Stadtteils, die Gemeindeverbindungsstraße hinab nach Belsen wieder für den Verkehr zu öffnen, ein unerfüllter Wunsch bleiben wird. Einstimmig ist der Mössinger Gemeinderat dem Antrag der Verwaltung gefolgt, die Straße für den öffentlichen Verkehr zu schließen und beim Regierungspräsidium die Herabstufung zu einem Forstweg zu beantragen.

Damit will die Stadt so weit wie möglich einen Schlussstrich ziehen unter eine, wie Bulander ausführte, »unendliche Geschichte«: »Schon in der ersten Sitzung nach meiner Wahl im Jahr 2010 ging es darum, Tausende von Euro in die Sanierung der Straße zu investieren.« Das stetige Wechselspiel von Schäden erleben und Schäden beheben erreichte im vergangenen Jahr mit zwei größeren Hangrutschungen einen vorläufigen Höhepunkt. Eine neuerliche Sanierung würde mindestens 800.000 Euro kosten - Geld, das Mössingen nicht aufbringen will.

Gefahrenzone nicht einzugrenzen

»Ich weiß, dass die Beurener darüber nicht sonderlich glücklich sind«, räumte Bulander ein. Im Sommer hatte ihm die Beurener Ortsvorsteherin Tanja Saile einen Besuch abgestattet und ihm eine Liste mit annähernd 200 Unterschriften überreicht - mit der Bitte, die Straße wieder zu öffnen. Bleibt der Weg nach Belsen geschlossen, hat das Dorf mit seinen gut 180 Einwohnern nur noch eine Zufahrt und ist abgehängt, wenn diese, etwa nach einem Unfall, gesperrt werden muss.

Dem Verständnis auf Mössinger Seite stehen allerdings die geologischen Gegebenheiten gegenüber. »Das ist ein Rutschgebiet mit einer nicht näher bestimmbaren Gleitebene, die verstärkt wird durch Regen in wasserführenden Schichten«, fasste Baubürgermeister Martin Gönner die Erkenntnisse zusammen. Das heißt: Die Gefahrenzone kann nicht eingegrenzt werden. Selbst eine Bohrpfahlwand auf der Talseite bietet demnach keine Gewähr für eine dauerhafte Standfestigkeit der Fahrbahn, würde aber rund 800.000 Euro kosten.

Frei für Radler und Wanderer

Wenn es denn überhaupt reicht. »Wenn wir die Straße in einen verkehrssicheren Zustand versetzen wollen, reicht es ja nicht, nur die jetzt betroffenen 130 Meter zu sichern«, wandte Arno Valin (SPD) ein. »Dann müssen wir mehrere hundert Meter sanieren und sind dann schnell bei einem mindestens einstelligen Millionenbetrag.« Ärgerlich sei die Entscheidung für Beuren, räumte Marc Eisold (FWV) ein und wollte wissen, ob die Teerschicht bleibt und wie die Straße gesperrt wird.

Der Asphalt, erklärte Martin Gönner, bleibe wie bisher: »Es wäre viel zu gefährlich, das abzufräsen.« Gesperrt werde die Straße nicht mit einer Schranke, sondern nur durch Beschilderung, obwohl, so Gönner, die Beachtung von Verkehrsschildern extrem nachlasse. »Wir werden das beobachten«, versicherte er, »und wenn sich die Leute nicht dran halten, werden wir Maßnahmen ergreifen.« Die rechtliche Situation, ergänzte Michael Bulander, sei damit klar: »Wenn dort jemand fährt und es passiert etwas, ist er selbst verantwortlich.«

Hechingen zahlt nicht

Mit Blick auf das Beurener Interesse wollte Wilfried Kuppler (FWV) wissen, ob die Stadt Hechingen schon mal ein Angebot gemacht hätte, sich an den Kosten für die Sanierung zu beteiligen. Doch das wäre zu viel der Nächstenliebe. »Die Stadt Hechingen hat kein Interesse, die Sanierung einer Straße auf Mössinger Markung mitzufinanzieren«, erklärte OB Bulander. Und was wäre, wenn das Regierungspräsidium die Abstufung zum Forstweg ablehnt? Auf die Frage von Wolfgang Eißler musste er einen Moment überlegen: »Ich denke, auch die Fachleute im Regierungspräsidium werden die Situation so einschätzen. Und wenn nicht, müssen sie uns sagen, wo wir das Geld hernehmen sollen.«

So bleibt es im Moment bei bescheidenen Ausgaben. Für 66.000 Euro wird auf mehreren hundert Metern der Entwässerungsgraben erneuert. Außerdem werden auf der Talseite Kunststoffpoller installiert, um den Verkehr mehr zum Berg hin zu lenken. Auf der Talseite werden die abgerutschten Bereiche wieder aufgefüllt und bepflanzt, damit die Wurzeln dem Hang etwas Halt geben. »Dieses Geld«, so der Baubürgermeister, »müssen wir in die Hand nehmen, um die Bewirtschaftung aufrechterhalten zu können.« (GEA)