METZINGEN. »Wir wollen wieder einen Draht zur Stadtverwaltung bekommen«, sagen Cornelia Grantz-Hild, Thomas Lusch-Przechatzky und Dr. Ulrich Schneck. Konkret geht es um die Interessen von Fahrradfahrern in Metzingen. Eine Mitte Juli gegründete ADFC-Gruppe will sie vertreten. Die drei, die das Gespräch mit dem GEA gesucht haben, sind Mitglied darin.
Früher haben sich bis zu 15 engagierte Bürgerinnen und Bürger im Zukunftsteam Infrastruktur und Verkehr Gedanken um den Verkehr in der Sieben-Keltern-Stadt und seine umweltfreundliche Verlagerung gemacht. Doch das Team, in dem auch Lusch-Przechatzky war, ist seit Gründung der ADFC-Gruppe Vergangenheit, in der Gruppe aufgegangen. »Einige von uns waren in der Radverkehrskommission der Stadt dabei«, blickt er zurück, »doch die hat sich 2020 aufgelöst.« Dreimal im Jahr hatte sie getagt. Ein von den engagierten Bürgern angedachter »Runder Tisch Radverkehr« hat sich bisher nicht gebildet.
»Wir wollen wieder einen Draht zur Stadtverwaltung bekommen«
Das Zukunftsteam hat sich zwar noch ab und zu getroffen, konnte mit seinen Ideen aber nicht mehr so recht an die Entscheider bei der Stadt kommen. Die Bildung der Zukunftsteams 2010 war in die Amtszeit des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Ulrich Fiedler gefallen. Schon unter dessen Vorgänger Dieter Hauswirth hatte es Bürgerarbeitsgruppen gegeben. Unter Fiedlers Nachfolgerin Carmen Haberstroh ist breite und tiefe Bürgerbeteiligung bei Großprojekten angesagt, dem Mobilitätsentwicklungskonzept etwa oder dem seniorenbetonten Caring-&-Sharing-Projekt. Die Zukunftsteams lösten sich nach und nach auf.
Die Befürworter des klimafreundlichen und platzsparenden Radverkehrs blieben. Neu aufgestellt als ADFC-Gruppe, wünschen sie sich »einen festen Ansprechpartner bei der Stadt, einen Radverkehrskoordinator«. In der Nachbarstadt Nürtingen gibt es einen: Stephan Maul. Er wohnt in Metzingen und hat zusammen mit dem GEA Ende 2024 die Innenstadt unter die Lupe genommen. Und deutlichen Verbesserungsbedarf festgestellt.
Eine Idee Mauls teilen die ADFCler: mehr Fahrrad-Abstellbügel in der Schönbeinstraße, einer 1-A-Geschäftslage, die von Autos genauso angefahren wird wie von Rädern. Aktuell gibt es gerade mal vier solcher Bügel, vor der Metzgerei Wurz.
Ein anderer großer Wunsch von Cornelia Grantz-Hild, Thomas Lusch-Przechatzky und Ulrich Schneck entspricht dem, den Zukunftsteam-Aktive schon vor zehn Jahren vorgebracht haben: die Hindenburgstraße als Fahrradstraße zu gestalten und auszuweisen. Hier fahren unter anderem viele Jugendliche vom Schulgebiet Ösch durch die Unterführung unter der Noyon-Allee und der Bahnlinie in die Innenstadt, aber auch Erwachsene, die im Ösch oder im Gebiet Amtäcker-Brühl wohnen.
»Das Fahrrad muss als Verkehrsmittel ernster genommen werden«
Die ehemaligen Mitglieder des Zukunftsteams Infrastruktur und Verkehr, die neu in der ADFC-Gruppe versammelt sind, haben derweil Zeit, auf Erreichtes zurückzublicken. Lusch-Przechatzky, der wie Grantz-Hild für die Grünen im Gemeinderat saß, nennt etwa die Fahrradschutzstreifen am Rand stark befahrener Straßen, zusätzliche leuchtrote Markierungen an Kreuzungen oder Einmündungen oder die Haltegriffe an Ampeln. Es ist nichts als ein Zwischenstand. »Das Fahrrad muss als Verkehrsmittel ernster genommen werden«, fordert er.
Kontakt zur ADFC-Gruppe
Wer die neue Metzinger ADFC-Gruppe unterstützen oder Mitglied in ihr werden möchte, kann sich per E-Mail bei Thomas Lusch-Przechatzky oder Cornelia Grantz-Hild melden: Thomas.Lusch-Przechatzky@adfc-bw.de , Cornelia.Grantz-Hild@adfc-bw.de . (GEA)
Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Fahrradstraße sich im Mobilitätsentwicklungskonzept (MEK) findet, doch dieses harrt seit Jahren seiner Verwirklichung. Im Frühjahr wurden in einem formalisierten Verfahren 1.000 repräsentativ ausgewählte Bürger befragt, damit die Stadt Chancen auf Zuschüsse für das Konzept hat. Die Einwohner konnten sich aber bereits breit beteiligen. Derzeit wird der Entwurf ausgearbeitet und soll im vierten Quartal der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Anfang 2026 soll nach dem letzten Stand der Dinge der Gemeinderat darüber entscheiden.
»Robert Schmid hat gesagt, dass wir einen sehr wichtigen Input geben«
Anzupacken gibt es noch viel, damit das zukunftsträchtige Fahrradfahren noch viel mehr Metzingerinnen und Metzingern Spaß macht und sich verbreitet. Zusätzliche Wegweiser und mehr abschließbare Abstellboxen etwa am Bahnhofs-Vorplatz gehören dazu. In anderen Städten sind ganze Fahrradparkhäuser entstanden.
Unabhängig von der politischen Couleur machen sich die ADFCler auf den Weg: Ulrich Schneck, der wie seine beiden Mitstreiter seit der Kindheit Rad fährt, sitzt für die Freien Wähler im Metzinger Gemeinderat. Wie Robert Schmid, der selbst leidenschaftlich gerne Fahrrad fährt. »Er hat gesagt, dass wir einen sehr wichtigen Input geben«, sagt Schneck dankbar. Dieser Kontakt ist nie verblasst. Den zur Fahrradgruppe des Metzinger Bürgerengagements MoBiLE will die ADFC-Gruppe aufbauen. Möglichst viele will man vernetzen für ein Verkehrsmittel der Zukunft. (GEA)



