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Spielzeug als Spiegel der Zeit - Ausstellung in der Bad Uracher Klostermühle

Jahrhundertealte Sachen sind in der Spielzeug- und Kunstausstellung in der Bad Uracher Klostermühle zu sehen. Sie heißt »Kunst im Spiel« und läuft vom 11. Dezember bis zum 26. Januar.

Oldtimer in allen Facetten: Bad Urachs Kulturreferatsleiter Thomas Braun hat die »Kunst im Spiel«-Ausstellung in der Klostermühl
Oldtimer in allen Facetten: Bad Urachs Kulturreferatsleiter Thomas Braun hat die »Kunst im Spiel«-Ausstellung in der Klostermühle zusammengestellt. Foto: Norbert Leister
Oldtimer in allen Facetten: Bad Urachs Kulturreferatsleiter Thomas Braun hat die »Kunst im Spiel«-Ausstellung in der Klostermühle zusammengestellt.
Foto: Norbert Leister

BAD URACH . »Kunst und Spielzeug begegnen sich.« Auch dieses Jahr wieder. Vergangenes Jahr hatte Bad Urachs Kulturreferatsleiter Thomas Braun schon einmal Spielzeuge jeglicher Art mit Kunst zusammengebracht, nun also erneut: Werke von Paula Dax aus Dettingen und Elias Saile aus Bad Urach stehen Puppenstuben, Brettspielen, Eisenbahnen und Dampfmaschinen gegenüber, sie ergänzen und bereichern sich.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 11. Dezember, um 19 Uhr, eröffnet. Bis zum 26. Januar ist sie in der Bad Uracher Klostermühle jeweils freitags und samstags zwischen 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Vier Bilder sind dort von Elias Saile zu sehen, der momentan die Kunstschule in Leipzig besucht.

Schattenspiele mit Stadt-Ausschnitten

Paula Dax ist wie Saile ehemalige Bad Uracher Schülerin, wird ebenfalls von der Professor- Karl-Fischer-Stiftung gefördert und studiert in Weimar und Jena Bildende Kunst und Spanisch auf Lehramt, wie Braun erläuterte. »Sie probiert sich in allen Kunstarten aus, hier in der Klostermühle wird sie fotografische Schattenspiele mit Ausschnitten aus dem Stadtbild ausstellen«, so Thomas Braun.

Die Werke hat Dax extra für die Uracher Ausstellung gefertigt. Gespannt sein dürfen die Besucherinnen und Besucher, wie die Kunstwerke sich zwischen all den Spielzeugen für Mädchen und für Jungen bewähren. Puppen (zum ersten Mal auch Barbies) aus unterschiedlichen Jahrzehnten sind dort zu sehen, Eisenbahnen (von vielerlei Herstellern und für einstmals fast jeden Geldbeutel), Automobile (sogar aus dem beginnenden 20. Jahrhundert), Gesellschaftsspiele und noch viel mehr aus vergangenen Zeiten.

Puppenstube von 1880 als ältestes Ausstellungsstück

All das wurde dem Kulturamtsleiter »zugespielt«, ohne dass er selbst tätig werden musste. Kein Wunder, die besondere Weihnachts-Spielzeugausstellung gibt es schon seit 2004. In den vergangenen mehr als 20 Jahren hat sich Thomas Braun jede Menge Spielzeug-Fachwissen über die zurückliegenden 150 Jahren angeeignet. Das älteste Ausstellungsstück der jetzigen »Kunst im Spiel« ist eine Puppenstube aus dem Jahr 1880. »Die Möbel sind aus Papier und deshalb wohl auch kaum durch Kinderhände gegangen – sonst wäre die Stube nicht mehr so gut erhalten.«

Das Spielzeug hat Braun in unterschiedliche Sparten aufgeteilt, in die Bereiche Mädchen, Jungen und mit ganz stark pädagogisch-didaktischer Absicht. Zu bestaunen sind auch Kochherde, mit denen tatsächlich gekocht und gebacken werden konnte. Der pädagogische Hintergrund solcher Spiritus-Herde, Kaufläden und auch Mini-Nähmaschinen dürfte klar und eindeutig sein: Mädchen sollten schon von Kindesbeinen an auf ihre spätere Rolle als Hausfrau in die Spur gebracht werden.

Arche mit Bleifiguren

Insgesamt 200 bis 300 Exponate werden in der Klostermühle zu sehen sein. Darunter Käthe-Kruse-Puppen oder auch solche mit Porzellankopf, mit denen Mädchen noch vor 1914 spielten. Jede Menge Eisenbahnen und Autos werden im zweiten Stock der Mühle zu sehen sein. »Es gab ja mal die Kritik, dass ich zu viele derartige Dinge ausstelle«, sagt Braun. »Aber ich zeige halt das, was mir die Leute bringen.«

Eine Arche mit Figuren (aus Blei) findet in der Ausstellung ebenso ihren Platz wie ein großer, selbstgebastelter Kran. Der ist voll funktionsfähig – die Kinder des Herstellers durften allerdings nicht allein damit spielen. "Deshalb steht hier auch ‚zu verkaufen‘
drauf." Einige Spiritus-betriebene Dampfmaschinen werden ausgestellt – auch hier spielte der Sicherheitsgedanke in jenen Tagen fast keine Rolle. "Wenn so eine Maschinen umgefallen wäre, hätte sie das ganze Haus in Brand stecken können."

Verkehrserziehung aus den 1930er-Jahren

Bei den meisten, sehr gut erhaltenen Spielzeugen könne man laut Braun sicher sein, dass »sie nie über die Ladentheke gegangen sind und kein Kind damit gespielt hat«. Aber was eindeutig ist: »Spielzeug ist immer ein Spiegelbild der jeweiligen Zeit«, betont Thomas Braun.

In einer Vitrine stellt er Puppenwagen und Kanonen nebeneinander aus. Ein gewagtes Unterfangen? »Angesichts der heutigen Diskussion über die Kriegstüchtigkeit kann man das zumindest mal probieren.« Was ebenfalls gezeigt wird – einige Brett- und Lernspiele, mit denen Schreiben, Rechnen oder Geografie geübt werden konnte.

»Ob ein Verkehrserziehungsspiel aus den 1930er-Jahren tatsächlich für Begeisterung sorgte, wissen wir nicht.« Das Brettspiel ist auf jeden Fall ziemlich gut erhalten. Im Gegensatz zu einem Binokel-Kartenspiel – da ist den Karten deutlich anzusehen, dass sie sehr oft in Gebrauch waren. Und womöglich Schweiß, Zigarettenrauch und so manchen Most regelrecht aufgesaugt haben. (GEA)