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Stufenloser Einstieg in den Bad Uracher Linienbus

Die Bushaltestelle in der Bismarckstraße in Bad Urach ist nun barrierefrei. Für wen das wichtig ist.

André Kuder von WK Bau aus Hülben, Heiko Kempelmann vom Tiefbauamt Bad Urach und der Busfahrer Mladen Martic zeigen den neuen hö
André Kuder von WK Bau aus Hülben, Heiko Kempelmann vom Tiefbauamt Bad Urach und der Busfahrer Mladen Martic zeigen den neuen höhenangepassten Busausstieg. FOTO: SANDER
André Kuder von WK Bau aus Hülben, Heiko Kempelmann vom Tiefbauamt Bad Urach und der Busfahrer Mladen Martic zeigen den neuen höhenangepassten Busausstieg. FOTO: SANDER

BAD URACH. Eine weitere barrierefreie Bushaltestelle in der Kurstadt gibt es jetzt in der Bismarckstraße zwischen Amanduskirche und Residenzschloss. Damit ist auch für Menschen, die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, eine weitere Möglichkeit geschaffen, mit dem Bus direkt zu einem wichtigen Haltepunkt zu fahren, um beispielsweise Veranstaltungen zu besuchen, einzukaufen, sich mit Freunden zu treffen oder in die Kirche zu gehen.

Die Barrierefreiheit für Bushaltestellen ist seit Januar 2022 gesetzlich vorgeschrieben, an der Umsetzung hapert es allerdings in vielen Orten noch und ist auch nicht immer so gelungen wie an der Haltestelle Amanduskirche.

Heiko Kempelmann vom städtischen Tiefbauamt hat an einer Fachtagung teilgenommen und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, um Bad Urach in vielen Bereichen baulich barrierefrei zu gestalten. Es geht dabei um mehr als die Beseitigung von Stufen für Rollstühle und Rollatoren, wie der Begriff allgemein oft interpretiert wird. Es sollen auch Menschen mit Sehbehinderungen beispielsweise den Weg finden und gefahrlos gehen können.

Nicht nur für Rollstuhlfahrer

»Ein barrierefreier ÖPNV kommt sowohl körperlich beeinträchtigten Menschen, Fahrgästen mit Sinnesbehinderung und kognitiver Behinderung sowie auch älteren Personen, Schwangeren und Kindern sowie Fahrgästen mit kleinen Kindern, Kinderwagen, Fahrrädern oder Traglasten zugute«, heißt es in einer Empfehlung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS).

Für die parallel zu Fahrzeugen, wie Niederflurbussen mit entsprechender Inneneinrichtung, notwendige Anpassung von Bushaltestellen sind die Kommunen als Straßenbaulastträger zuständig. Sie können für den Umbau Fördergelder beantragen. Bad Urach hat 20.000 Euro für die Gesamtmaßnahme von rund 65.000 Euro erhalten. Bei der Maßnahme wurden auch zwei Leerrohre für den Breitbandausbau im Bereich des Baufeldes verlegt und der Fußgängerüberweg instandgesetzt.

Zur Barrierefreiheit gehört neben dem Ausgleich des Höhenunterschieds zwischen der Bordsteinkante und dem Buseinstieg auch ein taktiles Blindenleitsystem. Die weißen Rillenpflastersteine dafür wurden mit dunkelgrauen, speziellen Pflastersteinen eingefasst, »die über einen langen Zeitraum farbecht bleiben«, erklärte Kempelmann den für Menschen mit Seheinschränkungen sehr wichtigen Kontrastunterschied. Außerdem gehört zu einer barrierefreien Bushaltestelle eine entsprechende Bewegungsfläche für Rollstühle, denn der vorgeschriebene Meter für eine mögliche Rampe zum Ausgleich des Höhenunterschieds reicht nicht, um die Rampe anzufahren oder den Bus zu verlassen. Es ist eine Manövrierfläche von 2,50 Meter erforderlich, wobei die in Bad Urach noch größer ist. Die bisherige Haltebucht gibt es aus Sicherheitsgründen nicht mehr.

Hohe Investitionen nötig

Sehr wichtig ist auch, dass die Fugen beispielsweise keine Hindernisse für die Räder bieten und Randkanten an der Grünfläche vorhanden sind zur Orientierung für Menschen mit einem Blindenstock. Die Bordsteinkante an dieser Bushaltestelle hat jetzt eine Höhe von 18 Zentimetern, an anderen Haltestellen können es auch 22 Zentimeter sein, je nachdem mit welchen Bussen sie angefahren werden. »Dieser Bus würde bei 22 Zentimetern den Bordstein streifen«, so Kempelmann zu dem auf dieser Strecke eingesetzten Fahrzeug.

Von den insgesamt 53 Bushaltestellen in Bad Urach sind 16 der Kategorie A zugeordnet, die als erstes umgebaut werden. Bei mehr als der Hälfte ist dies bereits geschehen, beispielsweise bei einer in Sirchingen und einer am Thermalbad. Eine andere befindet sich im Umbau. Dafür hat die Stadt bisher etwa 600.000 Euro investiert, denn die anderen Umbauten sind teilweise wesentlich teurer als für die Haltestelle in der Bismarckstraße. (GEA)