REUTLINGEN. Zart besaitet darf niemand sein, der sich das jüngst vom Tierheim Reutlingen veröffentliche Video in den sozialen Netzwerken ansieht. Deshalb beginnt es auch mit einer Warnung: »Dieses Video enthält Aufnahmen von Wunden, lebenden Maden und höllischen Schmerzen.« Zwei Kaninchen sind zu sehen, die mit schweren Wunden im Genital- und Analbereich abgegeben wurden. Dazu schreibt das Tierheim: »Abgegeben wegen 'kein Interesse mehr', zum Gesundheitszustand kein Wort gesagt«.
Erst nach der Routine-Untersuchung der beiden Kaninchen, wurde deren wahrer Zustand in seiner ganzen Tragik deutlich: »Dann ging es sofort zur Notfall-Tierärztin«, sagte Markus Atorf vom Kleintierbereich des Tierheims Reutlingen. Dieser stellte unter anderem fest: Eines der Tiere war so dick, dass es keine eigene Körperpflege mehr betreiben konnte. Die Folge: ein mit Kot verschmiertes Kaninchen. »Es muss weiterhin täglich gesäubert werden, weil es durch seine Fettleibigkeit zur eigenen Körperpflege nicht mehr in der Lage ist«, so Atorf.
Viel schlimmer der Zustand seines Artgenossen. Hier zeigten sich Wunden, so schlimm, dass schon lebende Maden daraus hervorkamen. Wäre das nicht schon katastrophal genug, haben die Besitzer dem Tier auch noch Salz und Essig in diesen Wundbereich gegeben. Offenbar hatten sie Salz in die Wunde gestreut, um die Maden zu bekämpfen. Ebenso wohl den Essig. Dazu schreibt das Tierheim: »Nur ist ein Kaninchen eben keine Biomülltonne, bei der ein Gemisch aus Essig und Salz eben dieses bewirkt.«
Beim Tier bewirkte es nur eine Verschlimmerung der ohnehin bestehenden Wunden. Schwere Entzündungen im Genitalbereich waren die Folgen. Die Maden verschwanden nicht. Das derart geschundene Geschöpf, das laut Tierheim wohl höllische Schmerzen durch diese Fehlbehandlung seiner Besitzer erlitten hatte, konnte die Tierärztin nicht mehr retten. Es musste eingeschläfert werden.
Ex-Besitzer bekommen Anzeige wegen Tierquälerei
Reaktionen in den sozialen Medien sind entsprechend. Die Menschen zeigen sich entsetzt. Eine Frau will Konsequenzen für die früheren Besitzer der Kaninchen: »Hoffentlich werden sie zur Rechenschaft gezogen, wegen Tierquälerei. Es ist bald nicht mehr zu ertragen, was für ein Leid Tieren angetan wird.« Sie ist nicht die Einzige im Netz, die solche Forderungen aufstellt. Ein Kommentator wünscht sich, dass solche Vorfälle verhindert werden müssten: »Damit sowas erst gar nicht entstehen kann«, und weiter schreibt er: »Wie kann man einem wehrlosen Tier so etwas antun, nachdem man schon nicht in der Lage war, es richtig zu versorgen.« Dutzende ähnliche Kommentare sind bei Facebook und Instagram zu finden.
Das Tierheim bestätigte auf GEA-Anfrage, dass die Namen der Besitzer bekannt seien und sie auch wegen Tierquälerei angezeigt würden, endet aber mit: »Was bleibt ist Trauer, Wut und Fassungslosigkeit.« (GEA)