REUTLINGEN. Wenn man die Reutlinger Wilhelmstraße entlang geht, fällt auf Höhe der Nikolaikirche ein Kundenstopper auf. Mit einem unscheinbaren Pfeil in Richtung Federnseeplatz wirbt er in der kalten Jahreszeit mit einem Pumpkin Spice Latte. Ein Hinweis auf anspruchsvolle Heißgetränke. Die findet man im Luis Coffee, das Café von Luis Haßmann. Bald wird es wohl schließen.
Haßmann ist ein rühriger junger Mann. Der 27-Jährige hat schon Jugendzeiten erste Websites gebastelt, wenig später sein eigenes Medienunternehmen gegründet und vertreibt seit kurzem seine eigene Kaffeeröstung. Den richtigen Ort für seine Bohne sah der Jungunternehmer in einem eigenen Café. Aber nicht nur irgendein Café. Haßmann dachte groß: »Da ich selbst viel im Homeoffice war und bin, habe ich mir immer einen Ort gewünscht, an dem guten Kaffee trinken, aber auch arbeiten kann«. So entstand die Idee zu Luis Coffee.
Haßmann hat viel in sein Café investiert
Neben einem 300 Quadratmeter großen Bereich im Erdgeschoss, in dem 90 Gäste Platz finden, sollte das Lokal im ersten Obergeschoss das anbieten, was Reutlingen bisher fehlte: einen Co-Working-Space für 16 Gäste. Kaffeetrinken in gemütlicher Arbeitsatmosphäre auf weiteren 250 Quadratmetern. Glasfaser-Internet, höhenverstellbare Schreibtische und Akustikkabinen inklusive.
Die Umsetzung dieser ambitionierten Idee allerdings war nicht einfach: Die Finanzierungszusage einer Reutlinger Bank gestaltete sich schwierig, wie Haßmann sagt. »Banken fanden das Konzept zwar gut, aber nicht im Reutlinger Standort.« Letztlich hat sich aber doch ein Kreditinstitut gefunden, mit dessen Geld die umfassende und halbjährige Umbauphase eines ehemaligen Stoffladens neben der Nikolaikirche realisieren ließ. 250.000 Euro hat Haßmann in sein Café gesteckt.
Das Luis Coffee hatte früh mit finanziellen Problemen zu kämpfen
Jetzt, nur knapp ein Jahr nach der Eröffnung des Cafés am 30. November 2024, steht das Luis Coffee vor der Schließung. Und das, obwohl nach holprigem Start im Dezember die Umsätze fast jede Woche gestiegen seien, sagt Haßmann. Doch mit der Zeit geriet das Café immer mehr in finanzielle Schieflage. Den Grund sieht Haßmann aber nicht im fehlenden Umsatz, sondern in den zu hohen Ausgaben. Personal- und Warenkosten seien unverhältnismäßig gestiegen.
Dazu kam es nach gut einem Jahr zur Trennung mit seinem Geschäftspartner Andreas Fuchs. Die Zusammenarbeit, von der Haßmann anfangs begeistert war, stellte ich als zunehmend schwierig heraus. Er zog seine Konsequenzen. Im Mai gingen die beiden getrennte Wege.
Auch ohne Fuchs glaubte Haßmann, sein Café wieder in die Spur bringen zu können. Doch trotz eines weiteren in Aussicht gestellten Darlehens der Bank und dem Interesse eines neuen Geschäftspartners schaffte er es nicht. »Über die Sommerferien brach der Umsatz ein«, sagt er. Sein möglicher neuer Partner sprang ab und auch das Darlehen scheiterte in letzter Minute an nicht eingehaltenen Fristen. Mitte Oktober stellte er den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, um die Zahlungsfähigkeit für seine zwölf Mitarbeiter sicherzustellen.
Wie es mit dem Café weitergeht, ist noch nicht sicher
Haßmann macht verschiedene Gründe für den Misserfolg aus. Die früh beendete Geschäftspartnerschaft riss ein großes finanzielles Loch, sagt er. Aber er gibt zu: »Natürlich hätte man mehr Werbung und Angebote von Anfang an machen müssen.« Auch der Standort neben der Wilhelmstraße sei nicht ideal. »Aber ein anderer war einfach nicht zu haben.« Von seinem Konzept des Co-Working-Space sei er aber nach wie vor überzeugt, auch wenn er hier auch hier mehr Werbung hätte machen müssen. »Er war nicht so gebucht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich habe gemerkt, dass der Bedarf da ist.«
Trotzdem ist er mit seinem Café vorerst gescheitert. »Es ist wie ein Persönlichkeitsverlust«, sagt er. Seit vielen Jahren sei er selbstständig, jetzt gehe sein größtes »Baby« unter. »Das fühlt sich nicht richtig an.« Ganz aufgeben will er die Hoffnung aber nicht. »Sollte sich eine realistische Möglichkeit ergeben und ein neuer Geschäftspartner auf mich zukommen, würde ich sehr gerne weitermachen.« Vielleicht wechsle sein Café aber auch den Besitzer. Sollte beides nicht eintreten, kann immerhin noch bis Ende Dezember Luis’ eigene Bohne, auch im Co-Working-Space, genossen werden. Haßmann will sich anschließend wieder mehr auf sein Medienunternehmen konzentrieren. »Aber vielleicht gehe ich dann doch irgendwann wieder in die Café-Richtung.« (GEA)



