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Wo ist die Gedenkstele vom Reutlinger Marktplatz?

Das steinerne Denkmal musste im Dezember für die neuen Bäume am Marktplatz weichen. Aber es gibt bereits Pläne, was mit ihr in Zukunft geschehen soll.

Die Gedenkstele erinnert unter anderem an den Reutlinger Stadtbrand aus dem Jahr 1726. Foto: Stadtarchiv Reutlingen
Die Gedenkstele erinnert unter anderem an den Reutlinger Stadtbrand aus dem Jahr 1726.
Foto: Stadtarchiv Reutlingen

REUTLINGEN. Anlässlich der Sanierung des Reutlinger Marktplatzes in den 1980er Jahren entstand an den Stufen neben dem heutigen Kiosk »Nachteule« eine Gedenkstele aus Stein, die Darstellungen und Texte zum Thema Marktrecht und zu historischen Reutlinger Ereignissen wie dem Rathausneubau 1966 zeigt. Außerdem erinnert eine der vier Seiten auf dem Denkmal an den verheerenden Stadtbrand aus dem Jahr 1726, der vier Fünftel der Stadt Reutlingen zerstörte. Im vergangenen Dezember musste die Stele für neue Ahornbäume, mit denen die Stadt kostengünstig die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern möchte, weichen. Seitdem ist die Steinsäule nicht mehr in der Stadt aufzufinden, was auch einem GEA-Leser aufgefallen ist, der fragt: »Wo ist die Säule verblieben?«

Aus einem Beschluss des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses vom 6. November 2025 geht hervor, dass die Gedenkstele einen neuen Platz in der Stadtmitte erhalten soll - und zwar am Fahnenmastbeet vor dem Reutlinger Rathaus. »Am bisherigen Standort wurde die Gedenkstele kaum wahrgenommen«, heißt es weiter. An der neuen Stelle würden sich mehrere Laufwege auf dem Marktplatz kreuzen, sodass Passanten in der Innenstadt das Denkmal öfter zur Kenntnis nehmen könnten. Die Darstellung zum Marktrecht soll passenderweise in Richtung des Marktplatzes zeigen.

Der Stadtbrand von Reutlingen

Drei verheerende Tage

Am Montag, 23. September 1726, entbrannte zwischen 20 und 21 Uhr ein Feuer im Hause des Schusters Friedrich Dürr, der neben der Nikolaikirche wohnte. Es wird vermutet, dass eine brennende Kerze auf das im Vorratsraum gelagerte Stroh fiel und den Brand auslöste. Als die Brandglocken vom Garten- und Tübinger Tor läuteten, soll bereits die ganze Straße in Flammen gestanden haben. Jegliche Löschversuche der Bewohner und Rettungsleute blieben erfolglos.

Zu allem Unglück trieben die Funken im Verlauf der Nacht in die Stadtmitte hinein und setzten weitere Stadtteile in Flammen. Am Morgen des 24. Septembers fing auch das Spital und der Marktplatz Feuer, von wo sich der Brand über die obere Kramergasse, Judengasse und obere Metzgergasse verbreitete. Auch die Marienkirche blieb vom Unheil nicht verschont. Erst am 25. September, dem dritten Tag des Brandes, erstickten die Flammen vor dem Barfußkloster, dem heutigen Friedrich-List-Gymnasium.

Die Brandkatastrophe zerstörte insgesamt 882 Häuser und vier Fünftel der gesamten Stadt Reutlingen. Zur Bestrafung verbannte man den Schuster Dürr gemeinsam mit seiner Familie für sechs Jahre aus Reutlingen. Ob sie danach zurückkehrten, wurde nie überliefert. (ec)

Um den wöchentlichen Betrieb dort nicht einzuschränken, soll die Stele erst im Spätherbst dieses Jahres zurückkehren, wenn weitere Bäume in der Innenstadt eingepflanzt werden. »In der Zwischenzeit wird das Denkmal gereinigt und im Depot des Heimatmuseums eingelagert«, erklärt Sabine Külschbach, Pressesprecherin der Stadt Reutlingen.

Weiteres Denkmal zum Stadtbrand entsteht

Die zurückkehrende Stele bleibt aber nicht das einzige Erinnerungsstück an den Stadtbrand von vor 300 Jahren: Beim Bürgerempfang der Stadt am 6. Januar verkündete Oberbürgermeister Thomas Keck, dass »eine große Gedenkstele der Reutlinger Künstlerin Susanne Immer dauerhaft an den Brand erinnern wird. Und zwar genau dort, wo er vor 300 Jahren ausgebrochen ist: Neben der Nikolaikirche im Haus des Schusters Friedrich Dürr.«

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Sie haben eine Frage oder eine Anregung für ein Thema? Dann schicken Sie diese per E-Mail an: leserfragen@gea.de

Im Rahmen des Programms »Reutlingen brennt - 300 Jahre Stadtbrand« gedenken über das gesamte Jahr unterschiedliche Veranstaltungen und Projekte an die Katastrophe im 18. Jahrhundert. Am 24. Juli beginnt beispielsweise die Sonderausstellung »Die Macht des Feuers« im Naturkundemuseum und am 18. September präsentiert die Galerie Reinhold Maas einen Live-Auftritt der Kalligraphie Künstlerin Shoko Hayashizaki (17 Uhr). Diese und alle weitere Aktionen zum Stadtbrand sind online im Veranstaltungskalender der Stadt Reutlingen aufgelistet. (GEA)

www.reutlingen.de/veranstaltungen