BAD URACH. »Schon zehn Jahre ist das jetzt her«, staunt selbst der Uracher Bürgermeister. Elmar Rebmann kann sich gut an den Tag im April 2015 erinnern, als bekannt gemacht wurde, dass Bottenschein den Uracher Stadtverkehr übernimmt. Vorher fuhr in der Kurstadt jahrzehntelang die Firma Stoss aus St. Johann-Gächingen. Die Zusammenarbeit zwischen Bad Urach und Bottenschein läuft - im März wurde sie verlängert. Beim gemeinsamen Start vor zehn Jahren hatte Bottenschein-Chef Horst Bottenschein in Aussicht gestellt, keine Fahrzeuge, die älter als zehn Jahre sind, durch Urach kurven zu lassen. Er hat Wort gehalten und jetzt auf dem Marktplatz zwei nagelneue Mercedes Citaro Niederflurbusse vorgestellt.
Die neuen Busse sind nur vom Feinsten, betont Horst Bottenschein. Der Citaro hat die neuesten Abgastechnologien in seinem Bauch und ist mit allen Assistenzsystemen ausgestattet, von denen ein Busfahrer träumt - einer intelligenten Geschwindigkeitsassistenz, einem Notbremsassistenten, einem Notfall-Spurhalteassistenten, einer Rückfahrdetektion - um nur einige zu nennen. Sogar einen Fahreraufmerksamkeits- und -müdigkeitswarner gibt es in den High-Tech-Bussen.
Viel Platz und modernste Technik
Zu Corona-Zeiten wurden in den Bussen Plexiglas-Scheiben eingebaut, um die Fahrer wenigstens ein bisschen vor den Viren der Fahrgäste zu schützen. Die Scheibe bleibt - tendenziell noch stabiler und breiter als vorher. Worüber Horst Bottenschein froh ist - und spricht damit einen Vorfall am 10. Oktober in Heidenheim an: Da stieg ein 59-Jähriger in einen Bus ein und beschwerte sich beim Busfahrer, dass der Bus Verspätung hatte. Dabei beließ er es aber nicht: Er zog den Busfahrer gegen die Plexiglasscheibe und griff ihn am Hals. Ein 16-Jähriger wurde auf die Situation aufmerksam und griff ein - und wurde so zum Alltagshelden, der von der Polizei gelobt wurde. An der Frontscheibe des Stadtbusses sind zwei Videokameras angebracht: Die eine zeichnet das Verkehrsgeschehen auf der Straße auf, die andere blickt Richtung Fahrer und Bus-Innenraum.

Jeder der neuen Busse hat maximal 35 Sitz- und 69 Stehplätze. Wenn ein Bus nicht voll besetzt ist - und das ist er nie, »gibt es genug Platz, um mit Rollatoren durchzukommen«, sagt Horst Bottenschein, »das ist in einer Stadt wie Bad Urach besonders wichtig.« Die Niederflur-Busse passen perfekt zu den Haltstellen, die mit »Kasseler Bord« umgebaut worden sind. Dieser spezielle Bordstein ermöglicht einen stufen losen Ein- und Ausstieg und schafft damit barrierefreie Haltestellen. Eine ganze Reihe hat die Stadt schon umgebaut.
Der Stadtverkehr ist der Stadt eine knappe halbe Million wert
Wenn die Uracher Stadtbusse zwischen den Endstationen Hans-Reyhing-Weg und Schönblick hin- und herkurven, kommen rund 120.000 Kilometer im Jahr zusammen. Nach Auskunft von Jan Heidemann, der bei den Stadtwerken Bad Urach für die Linie 108 - den Stadtverkehr - verantwortlich ist, wurden im vergangenen Jahr 21.500 Fahrscheine verkauft. Die Stadt Bad Urach lässt sich ihren Stadtbus eine knappe halbe Million Euro im Jahr kosten.
So blütenweiß wie die 12 Meter langen und 2,55 Meter breiten Busse bei der Präsentation auf dem Marktplatz waren, werden sie nicht bleiben: Die Stadt will sie wie die alten bekleben lassen und für die Gartenschau 2027 werben. (GEA)


