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Erstes Reutlinger Parkhochhaus wird 50 Jahre alt

Das Stadtarchiv Reutlingen erinnert mit einer kleinen Vitrinenausstellung an die umstrittene Errichtung des ersten Reutlinger Parkhauses vor 50 Jahren. Am Rand der historischen Altstadt entstand 1975 das heutige Parkhaus Stadtmitte.

Das Reutlinger Parkhaus Stadtmitte auf einer historischen Luftaufnahme von 1976. Aus der Vogelperspektive fällt das Parkhaus inm
Das Reutlinger Parkhaus Stadtmitte auf einer historischen Luftaufnahme von 1976. Aus der Vogelperspektive fällt das Parkhaus inmitten der Altstadt gleich ins Auge. Foto: Dohm
Das Reutlinger Parkhaus Stadtmitte auf einer historischen Luftaufnahme von 1976. Aus der Vogelperspektive fällt das Parkhaus inmitten der Altstadt gleich ins Auge.
Foto: Dohm

REUTLINGEN. Die Vorgeschichte reicht bis in die Nachkriegsjahre zurück, in der sich die Stadtverwaltung nicht nur mit den drängenden Problemen Wiederaufbau und Wohnraumbeschaffung auseinandersetzen musste, sondern auch mit Verkehrspolitik. Auf diesem Gebiet brachte die stetige Zunahme des Autoverkehrs neben dem Straßenausbau ein weiteres Problemfeld mit sich: die wachsende Parkraumnot in der Reutlinger Innenstadt.

Die Straßen in der Innenstadt und die vereinzelt entstandenen Tiefgaragen, wie unter dem Rathausneubau von 1966, konnten den steigenden Bedarf nicht mehr decken. Zusätzlich verschärft wurde der Mangel an Autoabstellplätzen durch die schrittweise Umgestaltung der Wilhelmstraße zur Fußgängerzone.

Abriss historischer Gebäude sorgte für Unmut

Die Lösung lautete auch in Reutlingen: Parkhochhaus. Bereits seit Mitte der 1960er-Jahre waren private Investoren am Stadtrand auf der Suche nach einem passenden Standort, doch erst einer Initiative von Geschäftsleuten der Wilhelmstraße gelang die Umsetzung.

Das Renaissance-Portal des ehemaligen Zwiefalter Klosterhofs wurde gerettet und kann heute im Garten des Heimatmuseums besichtig
Das Renaissance-Portal des ehemaligen Zwiefalter Klosterhofs wurde gerettet und kann heute im Garten des Heimatmuseums besichtigt werden. Andere historische Elemente der Reutlinger Altstadt fielen dem Abrissbagger zum Opfer. Foto: Dohm
Das Renaissance-Portal des ehemaligen Zwiefalter Klosterhofs wurde gerettet und kann heute im Garten des Heimatmuseums besichtigt werden. Andere historische Elemente der Reutlinger Altstadt fielen dem Abrissbagger zum Opfer.
Foto: Dohm

Am Bauplatz beidseits der Zwiefalterhofstraße zwischen Mauer- und Metzgerstraße, dessen Altbaubestand als nicht sanierungsfähig eingestuft worden war, schieden sich allerdings die Geister. Hier standen neben mehreren ehemaligen Zunfthäusern auch die Gebäude des früheren Zwiefalter Klosterhofs zum Abbruch an, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichten. Denkmalschutz bestand allerdings wegen erheblicher Kriegsschäden seit 1955 nicht mehr, und so rückten im Spätherbst 1974 die Bagger an.

Zeitungen in Zeitkapsel

Sowohl die Parkhausbaugesellschaft als auch Oberbürgermeister Manfred Oechsle bemühten sich, die Wogen zu glätten und warben um Akzeptanz des zur »Lebensfrage für Reutlingen« stilisierten Projekts. Zur Grundsteinlegung am 12. April 1975 war dann die Reutlinger Bürgerschaft eingeladen. OB Oechsle versenkte mit den Bauherren medienwirksam eine Zeitkapsel im Fundament des Bauwerks, sie enthielt neben den damals aktuellen Tageszeitungen auch einen kurzen Artikel zur Geschichte des Klosterhofs. Noch im selben Jahr, am 24. November, konnte das Parkhaus für die Wilhelmstraße eingeweiht werden.

Ausstellung während der Ratshausöffnungszeiten

Auf zehn Parkdecks waren 408 Stellplätze in unmittelbarer Zentrumsnähe entstanden. Im Namen Parkhaus Zwiefalterhof kamen die historischen Bezüge zum Standort zum Ausdruck, die Eigentümer änderten ihn aber bald etwas werbeträchtiger in Parkhaus Stadtmitte um.

Die kleine Ausstellung vor den Räumen des Reutlinger Stadtarchivs zeigt noch bis Ende Juni Dokumente und Fotografien zur Baugeschichte des ersten Parkhochhauses in Reutlingen. Während Luftbilder und historische Aufnahmen einen Blick auf die ursprüngliche und die neue Bebauung ermöglichen, werden die Pro- und Contra-Argumente durch einschlägige Schriftstücke verdeutlicht. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich. (pm)